Spracherhalt bei den Bosmun im Nordosten Papua-Neuguineas:

Wortdokumentation und praktischer Einsatz auf lokaler Ebene


von

Anita von Poser

(Universität Heidelberg)


Im Juni 2008 erhielt ich die freudige Nachricht, die GBS wolle mein Projekt zum Erhalt der Bosmun-Sprache mit einem Betrag von 1.500 € finanziell unterstützen. Da ich zu dieser Zeit erneut in Papua-Neuguinea zu Lehrzwecken an der Divine Word Universität in Madang weilte, konnten die Bosmun und ich das Projekt sofort umsetzen. Dafür bedanken wir uns an dieser Stelle nochmals herzlich bei der GBS – „GBS yaoŋ!“ So sagen die BosmunDanke“.


Die Bosmun leben am Unterlauf des Ramuflusses im Nordosten von Papua-Neuguinea und bilden eine etwa 1500 Mitglieder umfassende Sprach- und Kulturgemeinschaft. Die Sprache der Bosmun ist eine papuanische Sprache. Für das Zusammengehörigkeitsgefühl und die kulturelle Identität der Menschen ist sie von immenser Bedeutung. Dies wurde deutlich während meiner ethnologischen Feldforschung, die ich von August 2004 bis Oktober 2005 und von April bis Mai 2006 durchführte. Während dieser Zeit konnte ich umfangreiches Sprachmaterial sichern und eine vorläufige Wortliste mit circa 1600 Worten erstellen. Schon damals überlegten wir gemeinsam, wie das gesammelte Wissen für die zukünftigen Generationen gesichert werden könne. Die Sprache der Bosmun wird heute zunehmend verdrängt durch das Melanesische Pidgin-Englisch, die Lingua franca von Papua-Neuguinea. Außerdem ist Englisch die offizielle Verständigungsform im Schulunterricht. Um dem deutlich spürbaren Sprachverlust entgegen zu wirken, wandte ich mich mit einem Projektantrag an die GBS.


Ein Ziel des Projekts war, die Wortliste (Bosmun – Tok Pisin – Englisch) vor Ort nochmals zu überarbeiten und zu erweitern. Ein weiteres Ziel war es, die Wortliste zu vervielfältigen und der Bosmun-Gemeinschaft zukommen zu lassen. Ebenso sollte das Material in der Divine Word Universität archiviert werden. Schließlich sollte gemeinsam mit lokalen Akteuren überlegt werden, wie eine Fortführung der Verschriftlichung der vormals mündlich weitergegebenen Bosmun-Sprache gewährleistet werden könne.


Bereits im April 2008 fuhr ich für eine Woche an den Ramufluss. Während dieses Aufenthalts konnte ich die Wortliste mit Bosmun-Sprechern und -Sprecherinnen durcharbeiten. Die Bosmun waren erstaunt und stolz darüber, wie viele Worte sie mir beigebracht hatten. Einige Verbesserungen waren dennoch notwendig. Diese nahm ich im Mai direkt am Computer vor, als ich wieder in der Provinzhauptstadt Madang war. Madang ist über eine sechsstündige Busfahrt zu erreichen. So konnten mich einige Bosmun in der Stadt besuchen und gemeinsam erweiterten wir die Wortliste um 200 Einträge. Außerdem bot sich in der Stadt die Möglichkeit, gemeinsam die Noser Bibliothek der Divine Word Universität aufzusuchen und dort alte Missionsberichte, die Bosmun-Vokabular enthalten, zu sichten.


Im Juni 2008 hielt ich mich nochmals im Feld auf. Diesmal wurde vor allem besprochen, wie die Wortliste am sinnvollsten zum Einsatz kommen könne. Regelmäßige Treffen sollen stattfinden unter der Leitung von Adam Saŋgam, der mir schon 2004/5 und 2006 von besonders großer Hilfe war in Bezug auf die linguistische Datenerhebung. Kinder und auch Erwachsene sollen Lese- und Schreibfertigkeiten in ihrer Lokalsprache erlernen. Dank der Unterstützung durch die GBS stehen den Bosmun nun 150 Kopien des „Bosmun-Tok Pisin-English Dictionary“ zur Verfügung. Sie sind verteilt unter den insgesamt vier Dorfschulen und unter den einzelnen Clanen und Familienverbänden. Schreibutensilien (Stifte und Papier) konnten ebenfalls zur Verfügung gestellt werden. Die langfristige Archivierung des Materials sowie der Zugriff durch die Bosmun darauf ist dadurch gewährleistet, dass eine Kopie der Wortliste in der Bibliothek der Divine Word Universität hinterlegt wurde.


Die aus diesem Projekt hervorgegangene Wortliste ist ein erster wichtiger Schritt, um dem zunehmenden Verlust der Bosmun-Sprache entgegen zu wirken. Ich plane einen erneuten Aufenthalt für das Jahr 2010. Dann möchten die Bosmun und ich lokale Geschichten zusammenstellen, Geschichten, die die Bosmun selbst in ihrer Sprache aufschreiben werden!






April 2008 - Bosmun Frauen und Mädchen, darunter meine Adoptivmutter Samar (rechts im Bild), helfen mir bei der Durchsicht der vorläufigen Wortliste. Danach geht es zunächst zurück in die Stadt.


















Mai 2008 – Korop, meine Adoptivschwester, und ihr Mann Moses bei mir in der Stadt. Diskutiert wird der praktische Einsatz des Datenmaterials. Nachdem ich das Photo gemacht habe, lachen die beiden und sagen mir, jetzt könne die folgende Generation endlich ihre Namen aufschreiben oder Worte wie „ŋgo“ was übersetzt „ich“ heißt.













150 Kopien des „Bosmun-Tok Pisin-English Dictionary 2008“













Juni 2008 - Sondu, Yanzoŋ, Nzenzema und Mbado (Vorderreihe, von links nach rechts) sowie Adam Saŋgam und mein Adoptivvater Nuŋgap (im Hintergrund) freuen sich über die fertiggestellte Wortliste!