Jürgen Sutter

Opfinger Wörterbuch
 Wörterbuch des südalemannischen Dialektes von Freiburg-Opfingen

 

Einführung

Freiburg-Opfingen liegt am Ostrand des Tunibergs westlich der Stadt Freiburg im Breisgau.

Opfingen gehörte bereits seit 1503 zur Markgrafschaft Baden im Gegensatz zu Freiburg, das bis 1806 Teil Vorderösterreichs war. 1971 wurde Opfingen zur Stadt Freiburg eingemeindet. Während Opfingen bis in die 70er Jahre stark landwirtschaftlich geprägt war, arbeiten heute viele Opfinger als Berufspendler in Freiburg. Seit der Eingemeindung  hat sich die Zahl der Einwohner mehr als verdreifacht (heute über 4000). 

Im Unterschied zu Freiburg mit seiner oberrheinalemannischen Umgangssprache gehört der Dialekt von Opfingen zu den südalemannischen Dialekten. Das Hauptkennzeichen dieser Dialekte ist die k-Verschiebung im Anlaut (Chind Kind im Gegensatz zu nördlicherem Ghind). Die heutige Alltagssprache der meisten Bewohner von Opfingen ist meistens eine regionalisierte Freiburger Umgangssprache. Charakteristische Kennzeichen des Südalemannischen wie z. B. die k-Verschiebung sind in Opfingen kaum noch zu hören.

Abb. 1: Rathaus (Roodhuus, links) und Evangelische Kirche (Chilche, rechts oben) in der Ortsmitte von Opfingen

Wörterbuch

Anlässlich der 1000-Jahr-Jubiläumsfeier von Opfingen 2006 soll ein Wörterbuch des Dialektes von Opfingen erscheinen. Es umfasst den älteren Basisdialekt, wie er in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gebräuchlich war. Seit 1996 fanden umfangreiche Vorarbeiten statt, die im Rahmen des beantragten Projektes ergänzt wurden.

Das Opfinger Wörterbuch wird in einer Form dargeboten werden, die auch für Laien (d. h. für die Dialektsprecher) verständlich ist und somit weit über den Kreis der Sprachwissenschaftler hinausgeht.

Seit 1996 wurde der Wortschatz des Opfinger Dialektes gesammelt, zunächst aufgrund eigener Kenntnisse und der Sprache von Verwandten, Bekannten und Freunden. Im Laufe der Jahre konnten weitere Quellen ausgewertet wie z. B. die Befragungen, die 1975 – 1977 im Rahmen des Südwestdeutschen Sprachatlasses in Opfingen durchgeführt wurden. Zusätzlich wurden zwischen März 2004 und August 2005 ältere Gewährsleute mittels schriftlicher Fragebögen befragt.

Das Wörterbuch wurde ergänzt durch ein Deutsch-Alemannisch- und ein Sachgruppen-Register. Verweise auf Synonyme und Antonyme, Zusammensetzungen und Ableitungen, Tabellen zu einzelnen Wortfeldern und grammatischen Formen, Abbildungen und Fotografien sowie eine Zusammenstellung von Übernamen, Phraseologismen und Reimen ermöglichen einen vielfältigen Zugang zum Wortschatz des Opfingerdeutschen.  

Abb. 2: einer der letzten noch vollständig erhaltenen Leiterwagen (Laiderwaage)

Projekt

Die von der Gesellschaft für bedrohte Sprachen e. V.  zur Verfügung gestellten 500,- € wurden verwendet für ein Ton-Aufnahmegerät (MP3-Player), mehrere Forschungsaufenthalte in Opfingen und weitere schriftliche Befragungen.

 

I. Schriftliche Befragungen im August 2005

  • Fragebogen zur Imkerei

  • Fragebogen zum Kartenspiel Cego

 

II. Forschungsaufenthalte in Opfingen: Dezember 2005, Januar 2006, April 2006

  • Kontaktaufnahme zu Gewährpersonen

  • Fotographien: alte landwirtschaftliche Geräte, Haushaltsgegenstände, ältere Gebäude

  • Tonbandaufnahmen mit fünf Gewährspersonen (geb. 1930 - 1939) zu den Themen Landwirtschaft, Haushalt, Alltag früher, Nachkriegszeit

  • Tonbandaufnahmen mit zwei Gewährspersonen (geb. 1929 bzw. 1936) zum Fachwortschatz der Metzgerei

  • Befragungen jüngerer Opfinger

Die Tonbandaufnahmen wurden für das Wörterbuch exzerptiert. Einzelne Passagen aus den Interviews wurden transkribiert und als Texte in den Anhang des Wörterbuchs eingefügt.

Abb. 3: Alte landwirtschaftliche Geräte:

Egge mit Holzzinken (Eege), Pflug (Bflöeg), Getreideschwinge (Wane)

 

Ausblick

Die gesamten Befragungen sollen im Laufe des Jahres in Dieth-Schreibung transkribiert und übersetzt werden.

Die Fragebögen aus den schriftlichen Befragungen sowie die Tonbandaufnahmen mit vollständigen Transkriptionen und Übersetzungen sowie weiteres Zusatzmaterial zur Lautstruktur und Grammatik werden nach Abschluss des Opfinger Wörterbuches im Archiv der Arbeitsstelle Badisches Wörterbuch an der Universität Freiburg aufbewahrt werden und dort einsehbar sein.

Nach der Publikation des Wörterbuchs soll eine vereinfachte Fassung und Auszüge aus den Interviews (Tonaufnahmen mit Transkriptionen) im Internet veröffentlicht werden.

Da die Finanzierung der Publikation zur Zeit noch aussteht (der Ortschaftsrat von Opfingen verfügt zur Zeit nicht über die Mittel, die 2002 in Aussicht gestellt wurden), ist der Zeitpunkt der Publikation noch offen. 

 

Abb. 4: Erster Teil des Wörterbuchs

(Alemannisch - Deutsch)

Herr KS, geb. 1939, und Herr KF, geb. 1930, erzählen, wie man früher Baumstämme mit dem Schlepphaken transportiert hat (Ausschnitt aus dem Interview am 02.01.2006)

 

KS:  Also, bim Holz schlaibfe, also, des hed mer jo mid de Ros, hed mer si jo nusgmachd, ùn wän s no ganz digi Schdäm gsii sin, do hed mer de Schlaibfhooge ghaa. Desch ẹ zwaireederige Chaare gsii, ùn isch hinde mid zwee so groose Heege, wù dno …

KF:  Wie e Wändring, nùr greeser.

KS:  Ja. Ùn voorne - also, är isch zwaireedrig gsii, ùn no isch so e halblange Dysel gsii. Ùn no hed mer däär, där Dysel hed mer hooch glùbfd, ùn no hed mer hinde mid däm Hooge chene dr Schdam, also, so ùmfase, ùn no hed mer, hän d Ros -

KF:  Wän d Ros zooge hän, isch dä Dysel naa, ùn d Aiche isch ab em Boode, no isch si beser schlaibfe gsii. Wän si jez fùfzee Meeder gsii isch, no sin fimf Meeder ab em Boode gsii, nid, waisch. Ùn no hed mer vier Ros, odẹr an ganz groose hän si segsi miese draaschbane, ne.

KS:  Dää Dysel isch eebe dr Heebel gsii.

 

Abb. 5: Zweiter Teil des Wörterbuchs

(Deutsch - Alemannisches Register )

Übersetzung:

KS: Also, beim Holz schleppen, also, das hat man ja mit den Pferden, hat man sie ja hinausgemacht (hinaustransportiert), und wenn es dann ganz dicke Stämme waren, da hat man den Schlepphaken gehabt. Das war ein zweirädriger Karren, und ist hinten mit zwei so großen Haken, die dann ...

KF: Wie ein Wendring (Stange mit Haken zum Drehen gefällter Stämme), nur größer.

KS: Ja. Und vorne - also, er war zweirädrig, und dann war so eine halblange Deichsel. Und dann hat man diese, diese Deichsel hat man hoch gehoben, und dann konnte man hinten mit diesem Haken den Stamm, also, so umfassen, und dann hat man, haben die Pferde -

KF: Wenn die Pferde gezogen haben, ist diese Deichsel hinunter, und die Eiche ist vom Boden hoch, dann war sie besser zu schleppen. Wenn sie fünfzehn Meter lang war, dann war sie fünf Meter vom Boden hoch, nicht, weißt du. Und dann hat man vier Pferde, oder an ganz großen mussten sie sechs daran spannen, nicht wahr.

KS: Diese Deichsel war eben der Hebel.

Abb. 6: Dritter Teil des Wörterbuchs

(Sachgruppen-Register)