Aktuelles

Minderheitensprachenmobbing in Deutschland: Sorben und Wenden werden wegen Sprache angegriffen

Dass staatliche Institutionen oder gesellschaftliche Gruppen den Gebrauch einer Sprache gewalttätig unterdrücken, so dachten wir, sei ein Phänomen des 20. Jahrhunderts. Ein Bericht in der Zeit Nr. 06/2109 hat uns hier kürzlich die Augen geöffnet und blankes Entsetzen ausgelöst. Der Gebrauch des Sorbischen, eine der wenigen offiziell anerkannten Minderheitensprachen in Deutschland, wird jetzt wieder als Anlass für verbale und handgreifliche Attacken genommen. Wie kann es sein, dass hier mitten in Europa eine seit weit über 1000 Jahren sesshafte, heute recht kleine Bevölkerungsgruppe, seit Langem als schutz- und förderungswürdig anerkannt, jetzt von randalierenden Schlägern, nicht zufällig vornehmlich von Rechtsextremisten, attackiert wird? Das Vorgehen erinnert in fataler Weise an die Anfänge der Verfolgung der Sorben und Wenden im Nationalsozialismus. Hier gilt es, sich energisch dagegen zu wehren und dafür zu sorgen, dass diese Angriffe sofort gestoppt werden. Dazu gehört, dass Angriffe auf Sorben und Wenden von den zuständigen Behörden systematisch dokumentiert und polizeilich verfolgt werden. Die zuständigen Innenministerien in Dresden und Potsdam müssen klar Stellung beziehen und Gegenstrategien entwickeln und umsetzen, unterstützt vom Bundesinnenministerium.

Man sollte meinen, dass eine anerkannte und alteingesessene Minderheitensprache wie Sorbisch/Wendisch im Vergleich mit vielen Hunderten von anderen Idiomen weltweit recht gute Überlebenschancen haben müsste. Die Menschen in der Lausitz, sofern sie diese Sprache sprechen, schreiben oder zumindest als kulturelles Erbe achten, sind nicht von Hungersnot, Erdbeben, Vertreibung oder staatlicher Unterdrückung bedroht. Im Gegenteil: Der Gebrauch der traditionellen Sprache wird staatlich unterstützt, was wir nachdrücklich begrüßen. Nicht zuletzt deshalb ist diese neuerliche Form der aktiven Unterdrückung umso schockierender.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass ein sorbischsprachiges Bildungssystem im Prinzip gegeben, aber viel zu schwach ausgebaut ist. Laut aktuellem Kommissionsbericht sind die Erfolge in sorbischsprachiger Schulbildung in der brandenburgischen Niederlausitz eher mager. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Aber wenn man abends auf der Straße Angst haben muss, nur weil man Sorbisch/Wendisch spricht, macht das alle Bemühungen in dieser Richtung zunichte.

Dabei ist auch nicht zu vergessen, dass die Lausitz nach der Kölner Bucht das zweite große deutsche Braunkohlerevier ist. Viele Dörfer wurden umgesiedelt oder die Bewohner anderswohin verstreut. Man kann davon ausgehen, dass Sorbisch/Wendisch wichtige Domänen des lebendigen Gebrauchs verliert, wenn alte nachbarschaftliche Beziehungen nicht mehr zum kommunikativen Alltag gehören.

(Textbeiträge: Arndt Wigger, Nikolaus Himmelmann, Katharina Haude)

Neuer Fachinformationsdienst Zentralasien

Unser Mitglied Johannes Reckel weist auf den neuen Fachinformationsdienst (FID) Zentralasien hin, der ab 2019 von der DFG genehmigt wurde und von ihm in Göttingen geleitet wird:
http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/414016541

Der Fachinformationsdienst Zentralasien sammelt insbesondere uigurische, mongolische und weitere Literatur in den autochthonen Sprachen Zentralasiens und Sibiriens und über die autochthonen Völker dieser Region. In Göttingen liegt u.a. die deutschlandweit größte Sammlung an Literatur Sinkiangs.

PD Dr. Johannes Reckel
Fachreferate Ost- und Zentralasien, sowie Sibirien
Georg August Universität Göttingen
Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek
37070 Göttingen

GBS-Mitgliederversammlung 2018

Im öffentlichen Teil unserer diesjährigen Mitgliederversammlung (Freitag, 09.11.2018) wird es zwei spannende Vorträge geben (PDF):

  • Henrike Frye: »Das Raunsepna (PNG) Patenschaftsprojekt«
  • Sonja Gipper & Frank Seifart: »Bericht zur Ausstellung Was fremde Sprachen anders machen«

Die Vorträge finden von 11:00 bis ca. 12:30 Uhr im Seminarraum des Instituts für Linguistik,
Universität zu Köln, Meister-Ekkehart-Str. 7, 2. Stock rechts statt.

Die Mitgliederversammlung der GBS findet von 13:30 bis 15:00 Uhr im selben Raum statt.

Ausstellung: Was fremde Sprachen anders machen

Am 3. Mai findet die Eröffnung der Ausstellung Was fremde Sprachen anders machen am Museum für Kommunikation in Berlin statt, zu der Sie herzlich eingeladen sind. Die Einladung zu dieser Ausstellung und weitere Informationen dazu finden Sie in folgendem Flyer. Es handelt sich dabei um eine erweiterte Neuauflage der Ausstellung “Raus mit der Sprache” in Köln (s. Bulletin 23), die von der Kölner Designabsolventin Clara Henze konzipiert und realisiert wurde und für die die GBS inhaltliche Unterstützung geliefert hat. Bei der Organisation und Gestaltung der Berliner Ausstellung waren aus dem GBS-Vorstand Sonja Gipper, Nikolaus Himmelmann und Frank Seifart maßgeblich beteiligt. Die Ausstellung findet im Kontext des Humboldt-Themenjahres Sprachen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften statt und wird von dieser finanziell unterstützt. Die Ausstellung läuft vom 4. Mai bis 7. Oktober.

Hier eine Auswahl weiterer Termine aus dem Begleitprogramm der Ausstellung:

21.8.2018, 18.30 Uhr Expertenführung: Bedrohte Sprachenvielfalt – Was geht verloren? (Sonja Gipper, Gesellschaft für bedrohte Sprachen e.V.)

6.9.2018,18.30 – 20.00 Uhr Veranstaltung: Kleine Sprachen – große Fragen. Was untersucht die linguistische Feldforschung?

25.9.2018, 18.30 Uhr Expertenführung: Auf Sprach-Safari – Fremde Sprachwelten erkunden und dokumentieren (Frank Seifart, Gesellschaft für bedrohte Sprachen e.V.)